Exklusiv-Interview mit Ingo Nommsen
Der engagierte Lesestart-Botschafter Ingo Nommsen über seine Bilderbuchstunde am 03. Dezember 2009 in der Essener Kindertagesstätte Schalthaus Beise – Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Zeche Zollverein
SL: Was macht ein bekannter TV-Moderator in einer Zeche im Ruhrgebiet? Kohle abbauen?
IN: Nein, hier wird seit Jahren keine Kohle mehr abgebaut. Hier passiert jetzt etwas viel Spannenderes: In einem sozialen Brennpunkt wird echte Bildungsarbeit geleistet. Ich besuche eine Kindertagesstätte auf dem Gelände der stillgelegten Zeche Zollverein. Die Kinder in diesem Teil von Essen haben fast alle einen Migrationshintergund und viele kommen aus Familien, in denen Bildung nicht immer vorne auf der Agenda steht.
SL: Und wie sieht Ihr Besuch genau aus? Was machen Sie dort?
IN: Ich lese den Kindern Geschichten vor! Mir macht die Arbeit für die „Stiftung Lesen“ schon seit mehreren Jahren eine große Freude. In dem Fall besuche ich die Kinder im Rahmen der bundesweiten Kampagne „Lesestart“. Bei vielen Kindern fehlen heute die wichtigen ersten Schritte in Richtung Buch, da setzen wir an. Ich möchte den Kindern durch das Vorlesen zeigen, wie viel Spaß es macht, beim Lesen in neue abenteuerliche Welten abzutauchen.
SL: Dort treffen Sie dann auf ein ganz anderes Publikum als sonst.
IN: Das stimmt – das sind ca. 50 Kinder. Und genau das ist die große Herausforderung. Kinder sind ein wirklich anspruchsvolles Publikum, die Dir sofort zeigen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Das gilt besonders für Kinder aus sozial schwachen Familien, und die liegen mir besonders am Herzen. Ich bin davon überzeugt, dass das Vorlesen gerade für diese Kinder wichtig ist, um damit ihre Bildungschancen zu verbessern. Was mir besonders gefällt ist, wenn die Kinder nach dem Vorlesen anfangen, von sich selbst zu erzählen!